LIESING

Analyse
Seit der Eingliederung Liesings nach Wien 1954, stellt die SPÖ ununterbrochen die Bezirksvorstehung. Die Stellvertretung lag lange Zeit bei der ÖVP, ehe sie 1991 an die FPÖ verloren ging. 2005 gelang es der ÖVP, die Stellvertretung zurückzuerobern, doch sie ging bei der darauffolgenden Wahl wieder verloren. Nach einem kurzen ÖVP-Comeback 2020 wechselte sie 2025 erneut zurück zur FPÖ. Auffällig ist dabei: die Gewinne der einen Partei gehen fast immer zulasten der anderen. Die restlichen Parteien spielen in diesem Match um die Stellvertretung bislang kaum eine Rolle. Eine besondere Entwicklung ergab sich nach der Wahl 2001: Eigentlich hätte die FPÖ als zweitstärkste Partei die Stellvertretung übernehmen sollen, doch interne Streitigkeiten verhinderten eine gültige Nominierung. Zwei verschiedene Kandidaten traten mit jeweils fünf Unterstützungserklärungen an – eine Pattsituation, die nicht aufzulösen war. In dieser Situation griff man auf ein bisher nie angewandtes Instrument der Wiener Stadtverfassung zurück: Sie bestimmt, dass die Bezirksvertretung in einem solchen Fall aus ihrer Mitte eine geeignete Person zu wählen hat. So kam es, dass letztlich die stimmenstärkste Partei – die SPÖ – die Stellvertretung übernahm. Das Novum dabei war, dass die SPÖ nicht nur den Bezirksvorsteher und die erste Stellvertretung stellte, sondern gleichzeitig auch die zweite Stellvertretung.
Die SPÖ verliert seit 1973 kontinuierlich an Stimmen. Nur 2001 und 2005 brachte deutliche Zugewinne, 2025 immerhin ein kleines Plus – der Abwärtstrend blieb jedoch bestehen. Die ÖVP erlebte ein Auf und Ab, das jedoch seit 1973 eher einem beständigen Sinkflug gleicht. Zwischenhochs gab es 2001, 2005 und 2020, meist in Verbindung mit Verlusten der FPÖ. Die Freiheitlichen selbst sind für extreme Ausschläge bekannt: große Gewinne und ebenso starke Verluste folgen hier dicht aufeinander. 2015 erreichten sie ihr bisher bestes Ergebnis und näherten sich der SPÖ deutlich an – auch wenn der Abstand immer noch groß blieb. Die Grünen legten in ihren Anfangsjahren stetig zu, stagnierten aber ab 2001 und mussten sogar Verluste hinnehmen. Erst 2020 kam wieder ein Aufschwung, dem 2025 ein Rückgang folgte. Die NEOS steigern sich seit 2015 kontinuierlich und erzielten 2025 ihr bestes Ergebnis im Bezirk. Die KPÖ schließlich bleibt bei minimalen Zugewinnen, die das Kräfteverhältnis im Bezirk kaum beeinflussen. Eine Besonderheit stellt die Liste "PRO23", welche 2020 zum ersten Mal mit einem Mandat in die Bezirksvertretung einzog und jenes Mandat bei der Wahl 2025 verteidigen konnte.
Historische Best- und Schlechtestergebnisse
Die SPÖ erreichte 1973 mit 63,55 % ihr bestes Ergebnis und fiel 2025 mit 38,64 % auf ihr schwächstes Resultat zurück. Die ÖVP kam 1983 mit 31,19 % auf ihr historisches Hoch, während sie 2015 mit 10,85 % ihr schlechtestes Ergebnis verzeichnete. Die FPÖ erzielte 2015 mit 31,82 % ihren Höchstwert und erreichte 1964 mit 5,30 % ihr schlechtestes Resultat. Die Grünen verbuchten 2005 mit 12,76 % ihr bestes Ergebnis, während sie 1983 bei ihrem ersten Antreten mit 2,17 % den Tiefpunkt erreichten. Die NEOS erzielten 2025 mit 9,34 % ihr bisher bestes Ergebnis und 2005 mit 0,47 % ihr schwächstes.